Der Libanon – viel mehr als nur Beirut

Als ich im April des letzten Jahres erstmalig in den Libanon reiste, faszinierte mich das Land mit seiner unglaublichen Ausstrahlung vom ersten Augenblick an. „Das Land“ hieß in dem Fall „Beirut only“, was sehr schade war. Aber aufgrund der Kürze der Zeit blieb mir nur ein erster, intensiver Eindruck der aufregenden Stadt selbst. Nachdem ich von diesem Besuch wirklich tief beeindruckt war, stand schon vor meiner Rückkehr fest, dass es eine weitere Reise geben wird. Nun, nach fast einem Jahr, konnte ich dieses Vorhaben endlich in die Tat umsetzen. Und ich habe mir fest vorgenommen, in der knappen Woche wirklich so viel wie möglich zu erkunden.

Von Dubai nach Beirut in vier Stunden

Beirut ist als Ziel auch deshalb so attraktiv, weil die Anreise aus Dubai in rund vier Stunden erledigt ist. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Anreise aus Deutschland (von Frankfurt aus direkt mit Lufthansa beispielsweise). Die Destination ist also hervorragend für einen Besuch an einem verlängerten Wochenende oder einem der vielen Brückentage geeignet. Wie ich schon in meinem ersten Beitrag zu Beirut geschrieben habe, ist die Stadt ein wirklich lohnenswertes Ziel. Jede Menge Leben, Geschichte, Sehenswertes, Party und auch viele verrückte Dinge erwarten den Besucher.

Straßenverkehr geregelt? Von wegen…

Besonders verrückt ist für mich der Straßenverkehr im Land. Und wie wirklich verrückt es zugeht, erfuhr ich diesmal komplett ungefiltert und hautnah. Denn diesmal ging es raus aus Beirut zu einigen der Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung. Und dabei erlebte ich jede Menge Craziness.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Verkehrssituation im LibanonPIN IT!Für die Verkehrsteilnehmer scheint es einfach keine Regeln zu geben. Gefahren wird wo Platz ist. Was kümmert mich, sofern vorhanden, die Fahrbahnmarkierung? Wenn der Platz da ist, macht man einfach aus ursprünglich zwei Fahrspuren eben drei oder gar vier. Und Überholen kann ich doch zu jeder Zeit und immer, da muss der Gegenverkehr eben bremsen. Auffahrt auf die vorfahrtsberechtigte Straße: wozu schauen – die anderen werden mich schon sehen…! Dass nicht geblinkt wird, muss hier wohl nicht extra erwähnt werden. In diesem ganzen Chaos ist das aber tatsächlich auch nur das geringste Übel. Ich war, und das sage ich als einer, der wirklich sehr gern Auto fährt, froh, dass ich einen Local mit vielen Jahren Erfahrung am Steuer hatte, der sich durch wirklich nichts aus der Ruhe bringen ließ.

Ausflug nach Harissa zur „Our Lady of Lebanon“ Statue

Knapp eine Stunde nördlich von Beirut entfernt liegt der Küstenort Jounieh. Eine wunderschön an einem Hang gelegene kleine Stadt mit historisch wertvoller Bedeutung, denn hier befindet sich mit dem Wallfahrtsort Harissa eine der wichtigsten religiösen Stätten des Libanon. Hoch oben auf dem Berg, und mit einer atemberaubenden Aussicht über die Stadt und die Küste, steht dort die bronzene Statue der Jungfrau Maria. In der kleinen Kapelle unterhalb der Statue finden Gläubige Ruhe und Andacht. An den Wochenenden pilgern die Gläubigen regelmäßig hier herauf und verbringen die Zeit mit ihren Familien. Die kleine Kapelle und die Statue bilden den historischen Teil, der durch die sehr moderne und futuristisch anmutende Kathedrale aus Glas und Beton ergänzt wird.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Fahrt nach HarissaPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Ausblick von HarissaPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Statue von HarissaPIN IT!

Viele alte Nadelbäume spenden im Sommer Schatten und bilden eine gelungene Kulisse für die weiß strahlende Marien-Statue und die moderne Fassade der Kathedrale. Für Gläubige, die ihrer Verstorbenen mit dem Entzünden einer Kerze gedenken wollen, gibt es einen riesigen Freiluft-Altar, wo die Kerzen aufgestellt werden können.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Statue von HarissaPIN IT!

Ein wenig Mysterium gibt es – wie an den meisten Stätten dieser Art – natürlich auch hier. Die Statue, so geht das Gerücht, war wohl einst der anderen Richtung zugewandt. Während des Bürgerkriegs drehte sie sich wie von Geisterhand aber mahnend den Angreifern der Stadt zu und hat so wohl die heilige Stätte vor der Zerstörung geschützt.

Naturschauspiel Jeita-Grotte

Wer sich gern Naturschauspiele anschaut, dem sei ein Besuch der Jeita-Grotte empfohlen. Nur wenige Kilometer vor den Toren Beiruts liegt diese wirklich beeindruckende Tropfsteinhöhle, die sich über fast 9 Kilometer Gesamtlänge erstreckt. Aufgeteilt in die die obere und untere Galerie finden sich hier wunderschöne und bizarr anmutende Tropfstein-Formationen und steinerne Gebilde. Auch einer der weltweit größten Tropfsteine mit über 8 Metern Höhe befindet sich hier.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Eingang Jeita GrottePIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Jeita GrottePIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Jeita GrottePIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Seilbahn zur Jeita GrottePIN IT!

Der unterirdische Fluss Nahr al-Kalb fließt auf einer Länge von über 6 Kilometern durch die Höhle und hat ihr ihre heutige Gestalt gegeben. Den unteren Teil der Höhle befährt man mit kleinen Booten auf dem Fluss und gelangt schließlich zu einem wunderschönen unterirdischen See. Leider ist es nicht gestattet, innerhalb der Höhle Fotos zu machen. Aber tolle Bilder findet ihr auf der Homepage der Grotte.

Nach Byblos für frischen Fisch und jeder Menge Altstadt

Was wäre Sightseeing ohne tolles Essen und sich nach interessanten Einblicken in Kultur und Natur auch kulinarisch verwöhnen zu lassen? Genau – nichts! Und so ging es von der Jeita-Grotte ins nahe Byblos. Byblos, oder auch Jbel, gehört zu den ältesten dauerhaft besiedelten Orten der Welt und war mit ihrem Hafen schon in der Zeit der Kreuzzüge von großer Bedeutung. In der mittleren Bronzezeit war es gar der wichtigste Hafen der Levante und es wurden wertvolle Waren, wie Zedernholz, umgeschlagen.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Hafen von ByblosPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Die Bucht von ByblosPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Byblos HafenPIN IT!

Noch heute zeugen die vielen alten Mauern vom vergangenen Glanz und dem Wohlstand der Region. In der christlichen Zeit war Byblos eine wichtige Basis der Kreuzfahrer. Und ein wenig spürt man heute noch den Geist der damaligen Zeit, wenn man sich durch die wunderschöne Altstadt mit ihrer toll erhaltenen Substanz bewegt.

Vor einer ausführlichen Tour durch das kleine Städtchen ging es aber zunächst in Pépé’s Restaurant am idyllischen Hafen. Das Restaurant ist international bekannt und erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Zahlreiche Stars waren hier bereits zu Gast. Und selbst Marlon Brando und Brigitte Bardot gaben sich die Ehre. Die umfangreiche Bildergalerie an der Wand zeugt auf beeindruckende Art und Weise davon, wer hier schon alles den fangfrischen Fisch und die lokalen Spezialtäten genossen hat.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Byblos Fishing ClubPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Byblos Fishing Club PépéPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Byblos Pépé RestaurantPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Byblos Restaurant PépéPIN IT!

Das Pépé bietet libanesische, mediterrane Küche mit frischem Fisch und Meeresfrüchten. Auch gibt es jede Menge Salatvariationen und für Vegetarier geeignete und Gluten-freie Speisen.

Das Wetter an diesem Tag war wunderschön und die Temperaturen luden zum Sitzen auf der großen Terrasse ein. Mit einem grandiosen Ausblick auf den Hafen und über die kleine Bucht ließ sich das Treiben unter uns hervorragend beobachten. Das Essen selbst war eine kleine Offenbarung. Alles war sehr frisch zubereitet und unglaublich köstlich. Dazu noch ein Service, der keine Wünsche offenließ. Das machten die Stunden im Pépé unglaublich angenehm. Das Restaurant kann ich euch wirklich uneingeschränkt empfehlen. Nach dem Essen ging es dann durch die wunderschönen kleinen Gassen der Stadt.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Byblos AltstadtPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Byblos AltstadtPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Historisches Gebäude in ByblosPIN IT!

In Baalbek auf den Spuren der Römer

Fast ein wenig wie im alten Rom kommt man sich vor, wenn man die Ruinen der Tempelanlage von Baalbek besucht. Der Ausflug von Beirut aus ist dabei schon eine kleine Herausforderung, denn es geht knapp zwei Stunden durch das Hinterland des Libanon. Und das bedeutet jede Menge Landstraßen ohne Regeln und zahlreiche militärische Kontrollposten (die aber für uns relativ harmlos sind, da es zumeist nur bei einer „Sichtprüfung“ bleibt). Zunächst aber steht hier die Überquerung des Libanon-Gebirges – auch als Mount Lebanon bekannt – an. Der Name Mount Lebanon stammt aus römischen Zeiten und man findet hier die höchsten Gipfel der regionalen Bergketten und Hochebenen, die mit dem Amanus oder Nur-Gebirge im Norden Syriens beginnen und mit dem Sinai-Massiv in Ägypten enden. Das Gebirge ist rund 170 Kilometer lang und zwischen 10 und 60 Kilometern breit. Teilweise erreicht es alpine Höhen, was man auch sehr schön an den schneebedeckten Gipfeln sehen kann. Der höchste Gipfel ist Al Qurnat als Sawda mit 3.360 Metern.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Im Hinterland des LibanonPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Blick über BaalbekPIN IT!

Aber die Fahrt lohnt sich! Denn die Ruinen der Tempelanlage von Baalbek sind wirklich sehr beeindruckend. Sie enthalten einige der größten und am besten erhaltenen Beispiele für kaiserzeitliche römische Architektur im Nahen Osten und wurden bereits im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus errichtet. Zu den Tempelanlagen gehören das gewaltige Jupiterheiligtum, der Bacchustempel und der Rundtempel mit seiner einmaligen Formgebung. Als sehr besonders gilt der überaus reiche Bauschmuck der Bauten. Die vielen Besonderheiten kann man überall entdecken. Und wer mit offenen Augen durch die beeindruckende Anlage streift wird jede Menge wunderschöner Details finden.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Baalbek TempelPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Baalbek TempelPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Baalbek Tempel LibanonPIN IT!

Die Tempelanlage wurde, so vermuten die Gelehrten, vermutlich bereits im 6. Jahrhundert durch ein schweres Erdbeben zerstört. Zwischen 1900 und 1905 wurden weite Teile der verschütteten Anlage freigelegt und diese Grabungen bildeten die Grundlage für den heutigen Zustand der Anlage. Dies geschah übrigens unter deutscher Leitung, denn nach dem Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Jahre 1898 veranlasste dieser die Ausgrabungen. Und so zeugen heute jede Menge Beschreibungen an den einzelnen Bauten und Objekten in deutscher Sprache von dieser Verbindung.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Historische Tempelanlage von BaalbekPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Baalbek TempelPIN IT!

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Baalbek TempelPIN IT!

Einen Besuch der Tempelanlagen sollte man in jedem Besuchsprogramm einplanen, denn es lohnt sich wirklich und ist eine beeindruckende Erfahrung. Und wer Rom kennt, wird hier sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Forum Romanum und den anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt entdecken.

Das Nachtleben von Beirut – Stereo Kitchen und BO18

Beirut ist weit über seine Grenzen auch für einen extrem modernen Lifestyle und das aufregende Nachtleben bekannt. Ich wollte mich natürlich auch davon überzeigen, dass die Geschichten stimmen und freute mich umso mehr, dass es durch Freunde und Bekannte vor Ort jede Menge Insider Tipps gab.

Das wahre Nachtleben in Beirut beginnt immer recht spät. Zum großen Teil noch viel später, als ich es aus Deutschland oder Dubai gewohnt bin. Und so ging es nach dem Dinner zunächst ins Stereo Kitchen. Ganz in der Nähe der Innenstadt, im Stadtteil Gemmayze gelegen, bietet das Stereo Kitchen einen tollen Mix aus Bar und Restaurant. Wir nahmen ein paar Gin Basil, probierten die dazu gereichten kleinen Snacks und genossen die schöne Aussicht über die Straßen des nächtlichen Beirut. Im Sommer ist das Stereo Kitchen noch viel mehr empfehlenswert, denn dann ist die große Dachterrasse geöffnet. Und von da aus kann man wirklich toll über Beirut schauen. Einmal in Richtung Stadt mit ihren vielen schönen und herrschaftlichen Altbauten und auf der anderen Seite in Richtung Hafen und Meer und der neu entstandenen Waterfront mit ihren zahlreichen Clubs, Restaurants und Künstler-Ateliers.

Es war ein wirklich gelungenes Warm-up für die Nacht in Beirut, wenn auch mit einem kleinen Schönheitsfehler: in Beirut sind nahezu alle Bars und Restaurants Raucher-Lokalitäten. Für die meisten von uns mittlerweile ein nicht mehr gewohntes „Erlebnis“ und mitunter echt ein wenig anstrengend.

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Blick über BeirutPIN IT!

Die Hauptattraktion der Nacht war dann das BO18. Freunde richtig guter elektronischer Musik kommen hier voll auf ihre Kosten, so erklärte man mir. Und es war kein leeres Versprechen! Lokale DJ’s legen hier im Wechsel mit internationalen Acts auf. Der Club, sehr minimalistisch gehalten, liegt eine Etage unter der Erde. Es geht sehr einfach zu: auf der einen Seite des Raumes befindet sich die Bar und gegenüber das DJ-Pult mit einem wirklich grandiosen LED-Screen mit 3D-Display. Das war es dann auch. Ein paar wenige gemütliche Sitzgelegenheiten und ansonsten viel Platz zum Tanzen. Und das „muss“ man sehr schnell, denn die Musikanlage mit ihrem klaren, kraftvollen Sound und die harten elektronischen Beats lassen gar keine andere Wahl.

Auf jeden Fall „auf bald“…

Die Nacht war recht lang und Frühstück gab es dann entsprechend spät. Aber das war auch gar kein Problem, denn am letzten Tag stand nur noch ein wenig Beirut „light“ auf dem Programm. Das beinhaltete einen entspannten Bummel durch die Beirut Souks in Downtown und den ein oder anderen Kaffee, bevor es am Abend dann zurück nach Dubai ging. Die Tage vergingen einmal mehr wie im Flug und mir schien es, als sei ich gerade erst angekommen. Und „angekommen“ ist ein gutes Stichwort. Nachdem ich in den Tagen den Libanon sehr intensiv auch jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten und Touristen-Attraktionen kennengelernt habe und auch hinter die Kulissen schaue durfte, fühle ich mich in diesem aufregenden Land noch viel mehr wohl. Es wird mit Sicherheit nicht der letzte Besuch gewesen sein. Denn, so sagt man, es gibt noch unzählig viele Sachen, die man unbedingt gesehen haben muss. Also ich freue mich jetzt schon auf ein erneutes Wiedersehen und die Fortsetzung meiner Erkundungstour! 😉

Der Libanon - viel mehr als nur Beirut Landschaft im LibanonPIN IT!

Wer von euch kennt den Libanon und wie hat es euch gefallen? Und welche Sehenswürdigkeiten könnt ihr noch empfehlen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Viele Grüße, Dirk

Kommentare
  • Mrs Unicorn

    So ein toller Beitrag. Vielen Dank für deine Eindrücke.

    Liebe Grüße und noch eine schöne Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

    • Dirk
      Mrs Unicorn

      Besten Dank Celine! Freut mich, dass Dir der Beitrag gefällt. 🙂 Auch Dir eine schöne Zeit und ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße,

      Dirk